Der Dämmperimeter – ein goldener Käfig?

Editorial

Paul Knüsel Umwelt/Energie, Stv. Chefredaktor TEC21

Der Gebäudestandard Minergie ist 20 Jahre jung. 1998 haben der Bund und die 26 Kantone diese Marke auf dem Immobilienmarkt eingeführt. Seither hat sich daraus eine unternehmerische und energiepolitische Erfolgsgeschichte entwickelt, unter namhafter Beteiligung der Bauwirtschaft: Über 46 000 Gebäude und eine Energiebezugsfläche von 50 Mio. m2 sind inzwischen zertifiziert. Beinahe 10 % des Gebäudeparks sind Nied­rigenergiehäuser und verheizen nun ein Drittel weniger Brennstoffe als konventionelle Hochbauten nach den kantonalen Baugesetzen. Dafür investieren Bauherrschaften jedes Jahr rund eine Milliarde Franken zusätzlich in bessere Wärmedämmung, emissionsarme Energiequellen und technisch kontrollierten Komfort.
Der Umwelt tut das gut: Seit 1998 stösst der Gebäudebestand jedes Jahr etwa ein Prozent we­niger Treibhausgase aus. Minergie demons­triert somit, dass eine Branche – aus eigener Überzeugung und mit öffentlichem Druck – einiges für die nach­haltige Entwicklung leisten kann. Dass dies kaum genügt, um die nationalen Klimaziele zu erreichen, weiss man aber auch. Die Energie­effizienz im ­­Ge­bäudebetrieb ist nicht erst seit 20 Jahren Thema der Bauforschung und der All­tagsarchitek­tur. Die Entwicklung sparsamer Ökohäuser begann zumindest ideell im Gleichschritt mit der Nachkriegskonjunktur. Inzwischen haben sich daraus unverzichtbare Neuerungen für Kon­struktion und Haustechnik ergeben. Nicht nur der Dämmperimeter ist zur festen Grösse im Entwurfsprozess geworden. Energie und Res­sourcen sind kostbar; die Architektur kommt um den ­schonenden ­Umgang damit nicht herum.

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«Lieber freiwillig als mit Zwang»
Die steile Lernkurve der Energieeffizienz

 

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