Krab­beln, Klet­tern, Krea­ti­vi­tät

Von den Fünfzigerjahren bis hinein in die Achtziger: Das war eine Blütezeit, in der Spielplätze neu erfunden und weitergestaltet wurden. Eine Ausstellung in Frankfurt zeigt den Weg von simplen Anfängen über den Abenteuerspielplatz bis zum «Proberaum» der 68er-Bewegung für eine andere Gesellschaft.

Publikationsdatum
06-02-2020

Gerade ältere Zeitgenossen werden sich mit einem Lächeln erinnern: farbenfrohe, grosse, dünnwandige Rohrelemente aus Polyester, gerade und gekrümmt, die sich zu einem wurmartigen Getüm auf dem Boden verbinden. Mit Löchern darin, gross genug, damit ein Kind neugierig hinausschauen kann – der «Lozziwurm», der sich durch einen grossen Raum des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt am Main schlängelt, war einst ein beliebtes Gerät auf Kinderspielplätzen.

Nun ist er das Kernstück der Ausstellung «The Playground Project – Architektur für Kinder». Entworfen hatte ihn der Schweizer Künstler Ivan Pestalozzi im Jahr 1972, als der Spielplatz ein Ort war, der die Gesellschaft scheinbar mehr beschäftigte als heutzutage. «Aktivismus» nennt die Ausstellung dieses Kapitel, als die 68er im Spielplatz auch einen Ort gesellschaftlicher Gestaltungsmöglichkeiten erkannten und diesen Ansatz mit pädagogischen Aktionen förderten – der Kinderspielplatz als kreatives Labor. 

Ursprünglich stammt die Ausstellung von der Kunsthalle Zürich (gezeigt ab 20. Februar 2016). In Frankfurt wird sie als aktualisiertes und ergänztes Revival gezeigt. Die Zielgruppe? Alle. Spielfreudige und interessierte Kinder, Eltern, Studierende, Planer oder Pädagogen. Die Nachfrage? Laut dem Museum ist sie bisher «sehr gut» – gerade auch dank Gruppen aus Kindergärten und Kitas. Und der Lozziwurm wird mit grosser Begeisterung genutzt.

Neue Ideen aus aller Welt

Neben diesem und anderen Spielgeräten zeichnen Plakate, Fotos, Filme, Texte und andere Medien nach, wie und warum der Spielplatz zu dem wurde, was wir heute kennen. Eine Zeitreise also, mitsamt Hinweisen auf intellektuelle und gestalterische Protagonisten, die nicht nur in der Schweiz und Deutschland wirkten, sondern auch in London, New York, Princeton, Neapel oder Tokio.

Wer dann noch mehr erfahren möchte, kann das Buch «The Playground Project» erwerben, herausgegeben von der Kuratorin der Zürcher Ausstellung, Gabriela Burkhalter. Oder eins der angebotenen Symposien besuchen. Oder an der frischen Luft an einer «Urban Gaming Tour» teilnehmen, bei der sich gewiss gut über die Gegenwart und Zukunft des Spielplatzes sinnieren lässt. Als Anregung eine kleine Frage: Warum ist der Lozziwurm eigentlich noch heute so beliebt?

«The Playground Project – Architektur für Kinder»

Ausstellung bis 21. Juni 2020 

DAM Deutsches Architekturmuseum

Mehr Informationen unter: dam-online.de

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