Advertorial

Bel­lin­zo­na: Ei­ne Stadt er­neu­ert sich

Umsicht im Tessiner Kantonshauptort

Die Archi-Redaktion, das italienischsprachige Schwesterblatt von TEC21 für das Tessin, hat die (realisierten und angedachten) städtebaulichen Erneuerungsprozesse in und um Bellizona betrachtet. Im folgenden ist das Resumée daraus in deutsch wiedergegeben.

Publikationsdatum
22-04-2016
Revision
22-04-2016

Mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels nähert sich die Deutschschweiz dem Tessin an. Als erste Agglomeration auf der Reise in den Süden taucht dabei das Bellinzonese auf. Wenn man virtuell einen Ost-West-Querschnitt durch das Gebiet von Bellinzona einschliesslich der Berge um das Tal des Ticino vornimmt und dabei die im Norden und Süden der Stadt gelegenen Siedlungen Richtung Arbedo und Giubiasco herausschneidet, dann erscheint die urbane Struktur von Bellinzona klar und gut verständlich, fast wie in romantischen Veduten.

Die Berge, das alte und kompakte Siedlungszentrum mit seinen öffentlichen Räumen, die geordnete Wohnstruktur aus dem 20. Jahrhundert mit dem Bahnhof, der grosse Felsen von Castelgrande, der von Gebäuden und öffentlichen Räumen umgebene Park, der Tessin und seine Flussauen und erneut die Berge. Die Klarheit dieser Zeichnung, die von allen erkennbar ist und die Bilder im Kopf von Bewohnern und Besuchern beeinflusst und gefestigt hat, geht in der neuen, im Norden und im Süden entstandenen Stadt verloren.

Forschungsarbeiten

Neuere Forschungsarbeiten (verfasst vom Laboratorio Ticino, Academy of Architecture Mendrisio, und dem Architekturseminar von Monte Carasso) befassen sich mit der neuen, in jüngerer Zeit gebauten Stadt Bellinzona. Ihr Ziel ist die Planung neuer öffentlicher Räume unter Korrektur expansiver Planungsprognosen sowie die Neuverdichtung zur Einführung von Ordnung und Siedlungsregeln.

Die übergeordnete Zielsetzung dieser Untersuchungen ist es, den zersiedelten Gebieten eine ähnliche Klarheit und Wiedererkennbarkeit zu verleihen, wie sie das Stadtzentrum besitzt. Die Herausforderung liegt darin, so auf die neue Stadt einzuwirken, dass ihre Form sich der rationalen «Notwendigkeit» anpasst, was als charakteristische Eigenschaft der hiesigen Siedlungskultur vor der expansiven, von Ressourcenverschwendung und Spekulation geprägten Phase anzusehen ist.

Der Schlüssel liegt dazu im neuen öffentlichen Raum; er muss die Kultur der Gegenwart widerspiegeln und darf nicht die Formen der geschichtlich überlieferten Räume nachahmen. Der öffentliche Raum muss offen und inklusiv sein, um den Angelpunkt der neuen Stadt zu verkörpern.

Die Studien konzentrieren sich auf räumliche Konzepte, die sich nicht auf eine reine Verteilung von Siedlungsflächenmengen beschränken. Diese Überlegungen zeigen, falls das noch nötig wäre, dass Planungsinstrumente nicht ohne den wichtigen Beitrag der Kultur und der Kompetenzen des Städtebaus im Sinne der Disziplin des Architekturprojekts im grossen Massstab erarbeitet werden können. Zudem werden grössere Architekturprojekte dargestellt, die als Beitrag zur höheren städtebaulichen Qualität und für eine kohärente Umsetzung zu verstehen sind (vgl. Bildserie).

Der neue Standort des Departements für das Territorium (von Sabina Snozzi Groisman, Gustavo Groisman und Luigi Snozzi; Bild 1) und der neue aet-Verwaltungssitz (von Lucas Meyer, Ira Piattini und Francesco Fallavollita; Bild 3) nehmen ihre Rolle als öffentliche Gebäude selbstbewusst wahr. Sie bilden starke Bezugspunkte im städtischen Beziehungsgeflecht. Ihre Position an zwei Enden der Strasse, die die Stadt mit der neuen Autobahnausfahrt verbindet, ermöglicht ihren Dialog aus der Ferne.

Die Wohngebäude von Giorgio Grasso und Massimo Giordani (Bild 2) bilden dagegen interessante Wohnräume, die sich von den traditionellen Siedlungsformen des Tessins unterscheiden und mit den beschriebenen Raumentwicklungsstrategien vereinbar sind.