Das zukünftige Erbe

Welche Zeugen unserer Zeit werden wir später einmal als wertvolles Kulturerbe klassieren? Der Fotowettbewerb «Wahrnehmung des zukünftigen ­Kulturerbes» soll das bauliche Schaffen der 1980er- und 1990er-Jahre ausloten.  

 

Simon Schmidig Berufsgruppe Architektur – Leitung Ressort Baukultur

Heute bauen wir das Kultur­erbe von morgen. Dabei stellt die Berufsgruppe Architektur (BGA) die Frage, welche zeitgenössischen Objekte, die uns umgeben, in Zukunft als wertvolle Zeugen unserer Zeit, als Kultur­erbe klassiert, unsere Erbschaft darstellen werden. Vielleicht sind es Projekte, die wir jetzt als wegweisend empfinden, bestaunen und darüber publizieren. Vielleicht aber auch solche, die wir heute nicht verstehen und verwerfen.

Der Wettbewerb findet im Rahmen des europäischen Kultur­erbejahrs «Sharing Heritage» statt. Sektionen, Berufsgruppen und Fachvereine des SIA sind mit rund 30 spannenden Angeboten mit dabei, um das Verständnis von Baukulturellem Erbe und zeitgenössischer Baukultur zu fördern.

Neue Generation mit anderer Architektursprache

Mit einem zeitlichen Abstand und einer entsprechenden Entwicklung im Stadtbild erscheinen manche Bauwerke aus den 1960er-Jahren heute als stimmige Ensembles, die als Kulturgut unter Schutz gestellt werden. Genau dieselben Bauten wurden wenige Jahre nach der Erstellung durch ihre repetitiven Elemente als unsensible Spekulationsbauten kritisiert. Es brauchte mehr als eine Generation, um den Wert der Bauwerke der Nachkriegsarchitektur zu analysieren und sie als Zeugen einer Epoche handwerklicher und industrieller Baukunst anzuerkennen.

In den 1980er-Jahren rückte die individuelle Ausdrucksweise wieder in den Vordergrund und brachte ein ganzes Kaleidoskop unterschiedlicher Bauwerke hervor. Eine Vielfalt, die ein paar Jahre später, von einer neuen Generation mit einer anderen Architektursprache, in die Kritik der Fachkreise geriet. Die Frage, wie lang es dauert, bis wir den Wert unseres Nachlasses erkennen, ist vermutlich nicht zu beantworten. Das Herausdestillieren dieses Erbes erfolgt über Jahre in einem kollektiven Prozess.

Wie Kulturerbe wahr­genommen wird

Dennoch ist die Fragestellung spannend, inwiefern unser zukünftiges Erbe in der Gegenwart identifiziert werden kann und ob jüngere Generationen anders und unbefangener urteilen als erfahrene Architektinnen und Architekten. Daher richtet sich der Fotowettbewerb «Wahr­nehmung des zukünftigen Kultur­erbes» an Architekturstudierende von Hochschulen und Fachhochschulen. Sie sind eingeladen, das bauliche Kulturerbe der 1980er- und 1990er-Jahre anhand einer Fotoarbeit zu dokumentieren. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Kultur­erbe wahrgenommen wird. Ziel ist es, eine aktuelle und unbelastete Übersicht des Schaffens aus dem Ende des 20. Jahrhunderts zu erstellen und auszuloten, welche Objekte dieser Zeit in der Zukunft prägend sein werden. Zum baulichen Kultur­erbe werden Werke der Architektur, der Ingenieurbaukunst, des Städtebaus und der Landschaftsarchitektur gezählt.

Einzureichen ist eine kreative, diskre­te und zukunftsweisende Bildserie von fünf Fotos mit einem erklärenden Text von maximal 5000 Zeichen. Dieser Text enthält mindestens eine kurze Beschreibung des Werks, des oder der Architekten und eine Begründung, weshalb dieses Werk das Potenzial für ein zukünftiges Kul­tur­erbeobjekt hat. Die Gewinnerin oder der Gewinner erhält eine Leica-Q-Kamera im Wert von 4500 Franken.
Eingabe der Arbeiten: August 2018.

Mehr Informationen hier: www.sia.ch/kulturerbe/fotowettbewerb
www.kulturerbe2018.ch/agenda/wahr­nehmung-des-zukuenftigen-kulturerbes

 

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