Übersichtlich und praxisnah

Es gibt Grundlagen im Bauwesen, die grosse Wirkung entfalten. Die neue Norm SIA 112/2 zum nachhaltigen Bauen im Tiefbau und bei Infrastrukturanlagen wird mit Sicherheit dazu zählen.

Markus Friedli Leiter Geschäftsbereichs Normen SIA

Die Geduld hat sich gelohnt. Mit der Norm SIA 112/2 wird nun zusammen mit der SIA 112/1 Nachhaltiges Bauen – Hochbau sowie dem Merkblatt SIA 2050 Nachhaltige Raumentwicklung eine wichtige Lücke in der Trilogie geschlossen.

Die SIA 112/2 ist die praxisorientierte Antwort auf entsprechende Verfassungsartikel des Bundes sowie Gesetze der Kantone zur Förderung der nachhaltigen Entwicklung. Sie setzt einen wichtigen Akzent zum Schwerpunktthema Nachhaltigkeit des SIA und ist für öffentliche und private Bauherren gleichermassen ein Muss wie für Bauingenieure und Fachplaner.

Was zeichnet die neue Norm SIA 112/2 aus?

Die Norm ist inhaltlich klar aufgebaut und durch eine grosse Breite der Themenbetrachtung sowie die konkrete Darstellung möglicher Ansätze in Planung und Realisierung geprägt. Sie beleuchtet ganzheitlich die ineinander verschränkten Dimensionen des Bereichs «Umwelt–Gesellschaft–Wirtschaft» und verzichtet auf wohlfeile Rhetorik und Allgemeinplätze. Stattdessen werden sorg­fältig die verschiedenen Phasen im Planungs- und Bauprozess hinsichtlich Nach­haltigkeit beschrieben.

Dabei finden die Anwendenden keine technokratischen Formelsätze oder scheinobjektiven Bewertungsmatrizen, sondern nach­vollziehbare Leistungsteile mit Lösungsansätzen für ein nachhaltiges Planen und ­Realisieren von Tiefbauten und ­Infrastrukturen. Die Norm SIA 112/2 betrifft alle beteiligten Akteure: die Bau­herren bei den Projektvorgaben und -ziele, die Planer bei den Projektentwicklungen, die Ausschreibenden bei den Leistungsbeschrieben und die Unternehmer bei der Umsetzung.

Ganz konkret bedeutet das, bereits in frühen Planungsphasen Varianten zu entwickeln, um Zielkonflikte zwischen den unterschiedlichen, sich teilweise scharf widersprechen­den Interessen zu mi­nimieren – sei es bei der Linienführung von Verkehrsinfrastruk­turen oder der Dauerhaftigkeit von Infrastrukturbauten.

In praxisnaher Form werden Vorschläge zu ­­Ma­terialzusammensetzungen skizziert, etwa durch alternative Zuschlagstoffe und Bindemittel im Massivbau oder zum Materialtransport per Bahn. Auch Fragen der wirtschaftlichen Tragbarkeit wird dabei Augenmerk geschenkt.

Empfohlen wird eine sorgfältige Ausarbeitung von Lösungen zu vielen Aspekten wie Materialbewirtschaftung, Landschaftsschutz, Siedlungsentwicklung oder Zugänglichkeit von Infrastrukturen. Hier baut die Norm auf bestehenden Ins­trumenten und einer teilweise bereits gut gelebten Praxis im Infrastrukturbau auf. Sie bietet erstmalig eine Gesamtschau über das umfassende Themenspektrum nachhal­tigen Infrastrukturbaus – verbunden mit der Aufforderung, in einem konkreten Projekt die richtigen Schwerpunkte zu setzen. 

Neue Gruppe von Fachexperten? 

Kritische Geister meinen, nachhaltiges Bauen bringe eine neue Gruppe von Fachexperten hervor, anstatt von den Bauschaffenden als Teil ­ihres eigentlichen Auftrags angenommen zu werden. Diese Ansicht teilen wir nicht, denn spätestens dieses neue Instrument zeigt, wie man nachhaltiges Bauen in die Baupraxis integrieren kann – sei es ­gemäss SIA 112 oder nach den Leistungsmodellen von VSS oder Astra.

Die Bau­herren wünschen heute nachhaltige Bauen bei Tiefbauten und Infrastrukturarbeiten; die Norm SIA 112/2 beschreibt nun, wie Ingenieure und Bauunternehmen ihren Beitrag dazu leisten können. Das Credo «Nachhaltige Bauten sind gut» führt in seiner ­Um­kehrung in einen oszillierenden Dialog: Gute Bauten sind nachhaltig. Auch von der neuen Norm darf man das sagen.

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