Bauten der industriellen Produktion im Wandel

«Vertical Urban Factory» nennt sich die aktuelle Ausstellung im Archizoom der EPF Lausanne. Im Fokus stehen innovative architektonische Konzepte, Ingenieurstrukturen und Prozesse für und in Fabriken des frühen 20. Jahrhunderts bis heute.

Charles von Büren Bautechnik/Design, Korrespondent TEC21

Seit etwa 1850 entstanden in den Städten Produktionsbetriebe der aufkommenden Industrialisierung. Nach und nach wurden die Werkstätten und wasserbetriebenen Mühlen durch die mechanisierte Massenproduktion abgelöst. Standardisierte Produkte und die Mechanisierung veränderten die Produktionsweise und damit die auch die gesellschaftlichen Strukturen insgesamt. Kostspielige Grundstücke führten zu mehrgeschossigen Produktionsbetrieben, es wurden Systeme der vertikal angeordneten Produktion entwickelt, die auch die Effekte der Schwerkraft für ihre Produktionsprozesse nutzen.

Von der Werkstatt zum Fliessband

Vorab die Fabrikanten, dann die Ingenieure und später auch die Architekten planten ab Mitte des 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts industrielle Produktionsstätten und nutzten dazu die neuen Techniken der Eisenkonstruktion und des Betons. 

Die Ausstellung zeigt mit einer bebilderten Synopsis an einer langen Wand die Entwicklung der Industriearchitektur beginnend bei den Mühlewerken, den mechanisierten Webereien bis hin zu den Produktionsstätten unserer Zeit. 

Die Wasserkraft wurde abgelöst, zuerst durch Dampfmaschinen dann durch die Elektrizität. Die Arbeitsweise wurde so nicht nur effizienter, es entstanden auch mehr und mehr hygienischere Arbeitsverhältnisse. Der Einfluss der Gewerkschaften schuf verbesserte Bedingungen, doch auch die Globalisierung  veränderte die Produktionsweise zutiefst. Zahlreiche Produktionsstätten wurden gegen Ende des 20. Jahrhunderts in Billiglohngebiete verlegt, Fabriken der vormaligen Industrieproduktion wurden so zu Brachen und nach und nach mit neuen Tätigkeiten wiederbelebt.

Diverse Bilddokumente beispielhafter Fabrikationsbetriebe illustrieren dies zusammen mit Modellen und Plandokumenten. Gezeigt werden aber auch neue Bauten von Produktionsbetrieben in den Städten. Die industrielle Produktion ist in weiten Teilen «grün» geworden, arbeitet mit weit weniger Emissionen als ehedem und zudem sind manche Betriebe daran interessiert ihre Produktion nach aussen sichtbar zu machen. Natürlich sind das nicht mehr Produktionsstätten der Schwerindustrie sondern eher High-Tech-Betriebe mit geringen Schadstoff- oder Lärmemissionen. Ein Beispiel: In Dresden baut VW in der Stadt Autos und das so, dass der Betrieb von aussen sichtbar ist.

Die Ausstellung, kuratiert durch die New Yorker Architekturhistorikerin und –kritikerin Nina Rappaport, geht solchen Fragen nach. Die sehenswerte und recht umfangreiche Schau ist nach New York, Detroit, Toronto und London nun bis 9. Mai bei Archizoom zu sehen. 

Die Ausstellung «Vertical Urban Factory» ist noch bis 9. Mai im Espace Archizoom zu sehen. Mo–Fr 9.30 bis 17.30 h, Sa 14 bis 18 h. EPFL – Fakultät ENAC, SG 1211 (Bâtiment SG) - Station 15, Lausanne.

Buch zum Thema:

Vertical Urban Factory Nina Rappaport, Hardcover, 19 x 25.5 cm, 460 Seiten, 300 Abbildungen. 2015 publiziert bei Actar New York. ISBN 978-84-15391-32-6. Preis: 39 Euro

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