Baukulturstelle

Kolumne

Anna-Lena Walther Layout TEC21

Damals, in den 1980er-Jahren, forderte die bewegte Zürcher Jugend mit der Parole «Weg mit den Alpen, freie Sicht aufs Mittel­meer» mehr kulturellen Freiraum.  Knapp 30 Jahre später scheint die Stadt Chur einen neuen, leicht abgewandelten Anlauf zu wagen. Hier heisst es seit Kurzem: «Weg mit den Häusern, freie Sicht auf die Alpen» – und zwar alles zugunsten der Baukultur. Konnte das kulturelle Angebot der Stadt bislang nicht immer vollends überzeugen, ist Chur nun um eine Attrak­tion reicher. Gegenüber vom Bahnhof, an bester Lage, rattert und wummert und staubt es, dass es eine wahre Freude ist. Etage um Etage der alten «Steinbock»-Überbauung wurde zu Schutt verarbeitet, und unterdessen prangt eine ansehnliche Baugrube im Stadt­zentrum. Das Angebot wird von der Bevölkerung dankend angenommen, die besten Stehplätze sind begehrt und immer belegt. SBB und Rhätische Bahn werden bald Extrazüge nach Chur einsetzen müssen, und das erste Baustellentourismusbüro könnte einen Container auf dem Bahnhofplatz beziehen. Das Restaurant nebenan nutzt bereits die Gunst der Stunde: Eine Tafel weist hier nicht nur auf das Mittagsmenü für 18.50 Fr. hin, sondern auch darauf, dass vom Restaurant aus die Baustelle bestens beobachtet werden könne. Gratis, selbstredend.
 

Verwandte Beiträge

ARCHIV: Die Ausgaben seit 2013

Abonnieren Zum Archiv