Bauen für die Welt von morgen

Die Schweiz 2050

Wer wie der SIA und seine Mitglieder den Lebensraum Schweiz zukunftsfähig gestalten will, der braucht eine Vorstellung von der Zukunft. Mit dem Forschungsprojekt «Die Schweiz 2050» soll sie erarbeitet werden.

Hans-Georg Bächtold Geschäftsführer SIA

Unser Ziel ist ein zukunftsfähiger und nachhaltig gestalteter Lebensraum von hoher Qualität.» Das hat sich der SIA zuoberst auf die Fahne geschrieben. Und weil nur derjenige zukunfts­fähig gestalten kann, der auch eine Vorstellung von der Zukunft hat, wagt der SIA mit dem Forschungsprojekt «Die Schweiz 2050. Lebensraum und Bauwerk» den Blick nach vorn. Mit dem «Grand Projet» will er in den kommenden vier Jahren ein gesamtheitliches Zukunftsbild vom Gebäudepark, von der Infrastruktur und von den Landschaften der Schweiz zur Jahrhundertmitte erarbeiten. Ein Bild von Häusern, Dörfern, Städten, Infrastrukturen und Naturräumen der Schweiz, das der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung und allen weiteren sich bis 2050 abzeichnenden gesellschaftlichen, technischen, ökonomischen und ökologischen Veränderungen so nachkommt, dass unser Land auch für kommende Genera­tionen noch hochgeschätzter Lebensraum, ja dass es noch deren «Heimat» sein wird. Daraus abgeleitet werden sollen auch Erkennt­nisse für die zukünftige Aus- und Weiterbildung und die Berufspraxis von Architekten und Ingenieuren sowie die Ausgestaltung des SIA-Normenwerks. 

Wie schaut man am besten voraus?

Die Vorwegnahme der Zukunft ist nicht einfach die Projektion dessen, was man heute kennt und gewohnt ist, in eine Zeit von morgen. Vielmehr ist jede Art von Vorausschau eine Kombination von Erfahrungen aus der Vergangenheit, dem Erleben der Gegenwart, den Trends
für die Zukunft und schliesslich auch noch den eigenen Werten, Wünschen und Hoffnungen. Und weil das alles je nach geografischem und ­kulturellem Gepräge auch noch von Region zu Region variiert, empfiehlt sich aus Sicht des SIA ein ­Vorgehen in regionalen Denkräumen. In Räumen, zu denen interdisziplinär zusammengesetzte Teams in ausgewählten und charakteristischen Landes­teilen einzelne Entwicklungsstudien erarbeiten. 

Neben den Fachleuten des SIA sollen hierfür auch in allen Regionen, in denen geforscht wird, weitere Keyplayer aus der Planungs-, Bau- und Immobilienwirtschaft, der Energie-, Mobilitäts- und Logistikbranche sowie aus diversen Hochschulen und Fachstellen des Bundes, der Kantone und der Gemeinden zu mitwirkenden Partnern werden.  Die Ergebnisse aus den regionenspezifisch vorausschauenden Recherchen und Reflexionen können in vielerlei Hinsicht unterschiedlich und auf den ersten Blick inkompatibel ausfallen. 

Die entscheidende Herausforderung besteht dann für den SIA darin, die dezentral erzeugten Bauwerks- und Landschaftsbilder zu einem sinnvollen und überzeugenden Ganzen zusammenzufügen, Trends und Entwicklungsmöglichkeiten für die gesamte Schweiz auszuloten. Erfolgsfaktor Nr. 1 hierfür ist der gut funktionierende Austausch über disziplinäre, geografische, politische und kulturelle Grenzen hinweg. Die Beförderung dieses Austauschs, dessen Koordination und schliesslich dessen Harmonisierung auf eine gemeinsame, na­tionale Perspektive hin ist aufwendig und eine grosse Herausforderung. Kaum eine Institution bringt hierfür bessere Voraussetzungen mit als der seit je interdisziplinär, überregional und politisch unabhängig funktionierende sowie als massgebende Architektur- und Ingenieurbaukompetenz im ganzen Land respektierte SIA. 

Von der Initialphase zur Projektphase 

Die Initialphase des Projekts über die vergangenen zwei Jahre hat interessante Ergebnisse gebracht. Auch liegen erste Ansätze und Skizzen für den Raum Basel (Studio Basel) sowie ein Tool zur Abschätzung und Visualisierung verschiedener Entwicklungsszenarien (UTT/LEC ETH Zürich) vor. Auf Basis der in der Initialphase erhaltenen Erkenntnisse werden nun, mit Blick auf die Projektphase, die Heran­gehensweise, die Methodik und die Form der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Mitwirkenden noch einmal überarbeitet. Parallel dazu muss der SIA nun in nächsten Schritten die richtigen Partner für die Zusammenarbeit ­finden und die Finanzierung durch diese ­sicherstellen. 

Weitere Informationen: www.sia.ch/die-schweiz-2050

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