Bahnhofstrasse 53, Zürich

Editorial

Tina Cieslik Architektur/ Innenarchitektur, Redaktorin TEC21

»Ein jedes Licht hat seinen Schatten» hiess 1920 der siegreiche Entwurf für den Bau der Schweizer Volksbank an der Zürcher Bahnhofstrasse. Ob der Architekt Otto Honegger damit die Bankenkrise 88 Jahre später vorwegnahm oder ob er nur einen dezenten Hinweis auf die aus heutiger Sicht zumindest eigenwillige Konstruk­tion des Tragwerks platzierte, sei dahingestellt. Immerhin, es hätte schlimmer kommen können: Der Name des achtrangierten Entwurfs lautete «Angst und Not währt bis in den Tod».
So weit liess man es glücklicherweise nicht ­kommen. Während die zeitgenössischen Architekturkritiken hauptsächlich um den passenden architektonischen Ausdruck für eine Bank des Volkes rangen, zeigt sich das 1925 fertiggestellte Bauwerk bis heute erstaunlich flexibel: Banken kamen und gingen, die expressiven Räume aber, allen voran die Schalterhalle und der Tresorraum, erleben nach der aktuellen Instandsetzung durch Tilla Theus und Partner eine Renaissance als Laden­geschäft, Restaurant und Anwaltskanzlei.
Selbstverständlich ist das Bauwerk an bester Zürcher Lage denkmalgeschützt. Und natürlich lohnt sich die Instandsetzung eines Baudenkmals in finanzieller Hinsicht vor allem dann, wenn sich damit Mehrwert generieren lässt – selbst an der Bahnhofstrasse. In diesem Fall gelang dies in grossem Massstab vor allem durch die Absenkung des ersten Untergeschosses, die zusätzliche Ladenfläche schuf, im kleinen aber auch durch achtsame Details wie der Vergrösserung der Schaufenster oder der Wiederherstellung der Originalfarbigkeiten. Von der Gratwanderung, auf die sich Ingenieure, Denkmalpflege und Architekten dabei begaben, handelt diese Ausgabe.

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