Aussichten weiterhin fast wolkenlos

Trotz dem schwachen nationalen Wirtschaftswachstum stehen die Unternehmen im Projektierungssektor nach wie vor erstaunlich gut da.

David Fässler Fürsprecher M.B.A./SIA; Leiter SIA-Service

Im laufenden Jahr könnten ­­­­sich die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft et­was auf­­hel-len. Die Konjunkturforschungs­­stelle an der ETH Zürich (KOF) rechnet ­für 2016 aufgrund der schwachen internationalen Konjunktur und der durch die Frankenaufwertung notwendigen Strukturanpassun­­­­gen ­in der Schweiz mit einem ­schwachen Wirtschaftswachstum. Dessen ungeachtet laufen die Geschäfte im Projektierungssektor nach wie vor gut.

Der jüngste Bauboom klingt zwar langsam ab, starke Rückgänge im Projektierungsgeschehen erwartet die Konjunkturforschungsstelle aber nicht. Vielmehr könnten neue Finanzierungsquellen (z. B. FABI, Nationalstrassen- und Agglomerationsfonds) dem Tiefbau Impulse geben. So sollen die Bauinvestitionen im Jahr 2016 um 1.2 % steigen. Auch das Baublatt rechnet für die zweite Hälfte des laufenden Jahres mit leicht anziehenden Umsätzen in der Bauwirtschaft.

Der Wohnungsbau, auf den in der Regel zwei Drittel des Bauvolumens entfallen, dürfte weiterhin eine wichtige Stütze sein. Angesichts der Tiefzinslage wird sich daran auch in näherer ­Zukunft nicht viel ändern. Verschiedene Immobilienmarktbeobachter stellen zwar Sättigungstendenzen im Miet- und Wohneigentumsmarkt fest: So kann die Nachfrage insgesamt ­besser gedeckt werden; Vermarktungszeiten und Leerstände sind angestiegen.

An einigen Orten sind dadurch die Preise ins ­Rutschen ge­raten. Zudem belegen Statistiken, dass sich die Nach­frageseite zunehmend verändert: Während die Zuwanderung aus den nördlichen EU-Staaten weiterhin nachlässt, ­hat zugleich die ­Zu­wanderung aus den südlichen EU-­Staaten respektive mit asyl­recht­lichem Hintergrund aufgrund der europäischen Flüchtlingskrise zugenommen.

Guter Geschäftsgang im Projektierungssektor

Die Einschätzung der Geschäftslage im Projektierungssektor ist laut der neuesten Quartalsumfrage der KOF zwar im letzten Quartal geringfügig schlechter ausgefallen, hält sich aber seit nun einem Jahr stabil auf recht hohem Niveau. Auch der Ausblick auf das nächste halbe Jahr ist nicht mehr so optimistisch wie auch schon; trotzdem erwartet der Gross­teil der Umfrageteilnehmer keine Veränderung der Geschäfts­lage in den kommenden Monaten. 

Ausserdem scheint die Bewertung der Honoraransätze ihre Talsohle durchschritten zu haben. Die Preise im Projektierungssektor waren seit Beginn des Jahres 2014 auf Talfahrt. Nun berichten seit der zweiten Jahreshälfte 2015 wieder mehr Umfrageteilnehmer von steigenden Honoraransätzen.

Zwar äussern sich die Planungsbüros über die Bausummen insgesamt wieder positiver, allerdings fällt hier die Einschätzung der Architektur- und Ingenieurbüros sehr unterschiedlich aus. Übereinstimmend berichten dagegen beide Sektoren von einer Verbesserung im industriell-gewerblichen Bau. Gemäss Baublatt ist nun seit drei Quartalen ein stetes Wachstum im Bereich Industrie und Gewerbe feststellbar (Vorjahresquartal: + 76.6 %; voran­gehendes Quartal: + 16.7 %).

Fachkräftemangel entspannt sich

Die Quartalsumfrage ergibt ein recht gemischtes Bild bei den Architekten: Zwar geht die Hälfte der Firmen von einer guten Geschäftslage aus; der Blick auf die kommenden Monate ist indes nicht mehr ganz so zuversichtlich wie schon zuvor. Erstmals gehen sogar mehr Architekturbüros von einer sinkenden als von einer steigenden Nachfrage und Ertragslage in den nächsten drei Monaten aus. Das hat Auswirkungen auf die Einschätzungen der Verfügbarkeit von Fachkräften.

So nennen aktuell nur noch 50 % der befragten Büros einen Mangel an Arbeitskräften als Hemmnis. Anfang 2011 waren es noch mehr als 65%. Noch deutlicher ist die Situation bei den Ingenieuren (50 % bzw. 20 %), vgl. die Grafik oben. Das deutet darauf hin, dass mit dem bestehenden Per­so­nalpool versucht wird, die immer noch gute Auftragslage zu bewäl­tigen: Die Aufträge, die die Büros «in der Pipeline» haben, reichen aktuell für 13 Monate.

Stabile Situation bei den Ingenieuren

Die konjunkturelle Lage der Inge­nieurbüros bleibt gemäss KOF momentan stabil, wobei aktuell 14 % der Umfrageteilnehmer eine Verschlechterung der Geschäftslage erwarten (Vorjahr: 11 %). Die öffentlichen Bausummen entwickeln sich dagegen erfreulich, das spüren die Büros: 20 % berichten von steigenden Bausummen, während nur noch 16 % von sinkenden Beträgen ausgehen. Hier machen sich nun die geplanten Vorhaben im Tiefbau (u. a. FABI) ­positiv bemerkbar.

Weitere Infos

KOF

Die Konjunkturumfrage der ETH-Konjunkturforschungsstelle (KOF) für den Projektierungssektor ist eine Befragung von freiwillig teilnehmenden Schweizer Architektur- und Ingenieurbüros. Die Fragebögen bestehen aus Einschätzungen hinsichtlich der jüngst vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Geschäftsaktivitäten. Wer an der Umfrage teilnehmen möchte, kann den Fragebogen online unter http://survey.kof.ethz.ch beantworten. Sie können die Onlineumfrage unverbindlich testen.

Weitere Infos: www.kof.ethz.ch

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