Ausbildungsinitiative für Bauleiter

Gut ausgebildete Bauleiter sind Mangelware. Die Berufsgruppe Architektur (BGA) des SIA engagiert sich für eine verbesserte, an der ­Komplexität heutiger Bautechnologie orientierte Ausbildung.

Peter Wehrli Architekt, Leiter Ressort Bildung BGA SIA

Seit Längerem hört man aus der Baubranche von verschiedener Seite Klagen über mangelnde Qualität im Bereich der Bauleitung – im Hochbau ebenso wie im Tief- oder Infrastrukturbau. Der Planungs- und Bauprozess wird zunehmend komplexer, Zuständigkeiten und Schnittstellen müssen aufgrund wachsender Spezialisierung präziser definiert werden. Viele Architekten fürchten, im Realisierungsprozess die Kontrolle über ihre Entwürfe zu verlieren. Problematisch erscheint es zudem, wenn die Bauleitungs­tätigkeit durch Spezialisten mit sehr unterschiedlichem Ausbildungsstand ausgeübt wird. 

Aus dieser Not heraus wurde die «Plattform Bauleitung» gegründet, in der Verbände, Schulen und Organisationen an einem Tisch ­Problemstellungen und mögliche Lösungsansätze zu diesem Thema diskutieren. Im Frühjahr 2014 konstituierte sich eine Arbeitsgruppe, die sich einem spezifischen Thema der Ausbildung annahm: Je ein Vertreter der Verbände usic, BSA, SOB sowie der Berufsgruppe Architektur des SIA haben seither unter der ­Leitung von Frank Straub (usic) und fachkundiger Beratung von Walter Götze vom Büro für Bildungsfragen das Kompetenzprofil für Bauleiter erarbeitet. Auf diese Weise soll die Ausbildung von Bauleitern verbessert und an die heutigen Anforderungen in deren Berufsfeld angepasst werden. Besonders wichtig war den Architekten in der Arbeitsgruppe dabei die präzise Formulierung der erforderlichen Kompetenzen eines Bauleiters mit Blick auf die Problematik der Schnittstellen aller in der Planung Beteiligten.

Vernehmlassung zum «Kompetenzprofil Bauleiter»

2015 forderte dann das Staatssekretariat Bildung, Forschung und In­novation (SBFI) die Trägerschaft der bestehenden Höheren Fachprüfung Bauleitung (HFP Bauleitung) auf, die veraltete Prüfungsordnung zu überarbeiten. Hierfür bildet das in der Arbeitsgruppe erarbeitete Kompetenzprofil eine zentrale Grundlage.

Was versteht man unter «Kompetenzprofilen» in der Organisation der Arbeitswelt? Hierzu ein Auszug aus der Grundlage zum Auftrag der Arbeitsgruppe der Plattform Bauleitung: «Mit Kompetenzprofilen richtet sich der Blick auf die An­wender bzw. Betroffenen. Es geht darum, in knapper Form darzustellen, welche Dinge der Auszubildende nach Abschluss seiner Ausbildung ‹können muss›, d. h., über welche ­Fähigkeiten er nun verfügt. Diese Fähigkeiten werden von den Unternehmungen, vom Markt und von den Auftraggebern definiert – nicht von den Ausbildungsstätten. Die so definierten Anforderungen fliessen in die amtlichen Dokumente Bildungsverordnung, den Bildungsplan und die Wegleitung bzw. in die Prüfungsordnungen oder Rahmenlehrpläne ein. Die Orga­nisationen der Arbeitswelt (OdA) haben die Verantwortung, die Kompetenzen bedarfs- und unternehmensorientiert zu entwickeln und in die Dokumente zu übertragen. Damit ist gewährleistet, dass das ausgebildet und geprüft wird, was die Praxis tatsächlich benötigt, und nicht das, was wünschbar, angenehm oder ‹auch noch nützlich› wäre.»

Die in der Plattform Bau­leitung zusammengeschlossenen Verbände, Schulen und Organisatio­nen haben bis 31. Oktober 2016 die ­Möglichkeit, sich an der Vernehmlassung zum Thema «Kompetenzprofile Bauleiter» zu beteiligen.

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